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Messbuch
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Ein Messbuch, auch lateinisch Missale (Plural Missalia, Missalien, Missalen) oder Missal (Plural Missale), ist ein liturgisches Buch der lateinischen Kirche und beschreibt den Ordo missae fĂŒr die Feier der Eucharistie an Sonn-, Fest- und Werktagen.
Contents
âą Missale Romanum
âą Geschichte
âą VolksmessbĂŒcher
âą Heutige Ausgaben
âą Sonderformen
âą Heutige Ausgaben
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Inhalt und Definition
Das Missale enthĂ€lt vor allem die Messordnung (lateinisch ordo missae), die Gebete, die vom Priester gesungen oder gesprochen werden: Hochgebete mit PrĂ€fationen, Tagesgebet, Gabengebet, Schlussgebet, Gebet ĂŒber das Volk, sowie die gleich bleibenden Texte des Ordinarium Missae: Kyrie eleison, Gloria, Credo, Sanctus, Vater unser, Agnus Dei. Die jeweiligen liturgischen Handlungen werden in den in roter Schrift stehenden Rubriken (von lateinisch ruber ârotâ) beschrieben. Die zugehörigen biblischen Schriftlesungen erscheinen im Messbuch selbst und/oder in eigenen liturgischen BĂŒchern, den Lektionaren.
Einzelne Diözesan- und Ordensriten haben eigene MessbĂŒcher (z. B. Missale Aboense, Missale Parisiense, Missale secundum ritum ecclesie Bremense). Im Besitz der Christian-Weise-Bibliothek Zittau befinden sich die Zittauer Missalien. Diese Missalia sind aber von Ortstraditionen ĂŒberformte römische MessbĂŒcher; davon zu unterscheiden sind die â von Rom unabhĂ€ngig â entstandenen Eigenriten von Mailand und Toledo, die freilich im Verlauf der Geschichte auch vom römischen Messbuch beeinflusst worden sind.
In den evangelischen Kirchen heiĂt das Buch des Liturgen fĂŒr die Feier des Gottesdienstes âAgendeâ. In den byzantinisch-orthodoxen Kirchen werden die entsprechenden BĂŒcher als Euchologion, Hieratikon oder Leitourgikon bezeichnet.
Missale Romanum
Geschichte
Das Messbuch fĂŒr den römischen Ritus ist das Missale Romanum in lateinischer und in slawischer Sprache (Manuskript: Berliner Missale Romanum, Erstdruck 1483) sowie in weiteren Sprachen, heute in zahlreichen landessprachlichen Ausgaben gebrĂ€uchlich.
MessbĂŒcher mit den gesamten Texten der heiligen Messe entstanden im Mittelalter, als die Privatmesse (Missa solitaria) verbreitete Praxis in den Klöstern wurde. Es waren RollenbĂŒcher fĂŒr den zelebrierenden Priester, die nicht nur die Priestergebete, sondern auch die von anderen Mitwirkenden der heiligen Messe verrichteten Gebete und GesĂ€nge enthielten, welche u. a. in Lektionaren und Gradualien aufgeschrieben waren. Die im Hochmittelalter neu entstehenden Bettelorden waren Wanderorden, deren Lebensweise keine Stabilitas loci kannte. Sie legten bei ihrer schnellen Ausbreitung in ganz Europa Wert auf eine einheitliche Liturgie und ĂŒbernahmen dabei die stadtrömischen Riten und Texte, die sie in viele LĂ€nder brachten. Der Ritus Romanus war bald die verbreitetste Liturgieform.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]
Erstmals gedruckt wurde das Missale Romanum 1474 in Mailand unter dem Titel Missale secundum consuetudinem Romanae Curiae (damals noch ohne Rubricae generales und Ritus servandus). Diese Fassung geht auf das Missale curiae zurĂŒck, das heiĂt auf das um 1220 zusammengestellte Messbuch der pĂ€pstlichen Palastkapelle. Die rubrizistischen Vorschriften beruhen ab 1501 auf dem Ordo servandus per sacerdotem in celebratione Missae sine cantu et ministris des Johannes Burckard von 1498 bzw. 1502, also ursprĂŒnglich auf einem Ordo missae fĂŒr Privatmessen.
Das Römische Messbuch wurde zwischen dem Konzil von Trient (Tridentinum, 1545â1563) und dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962â1965) immer wieder geĂ€ndert. Es wurden Anpassungen vorgenommen; so wurden die Texte fĂŒr neue Feste aufgenommen. Das erste Missale von 1570 sah z. B. eine Kommunion der GlĂ€ubigen nicht vor. Doch bald wurde nach der Kommunion des Priesters der Ritus der Krankenkommunion fĂŒr die GlĂ€ubigen eingeschoben. Tiefgreifende Ănderungen bewirkte zuletzt die Reform der Karwochenliturgie, die Papst Pius XII. in den 1950er-Jahren vornahm und die ihren Niederschlag auch im Missale Romanum fand.cite-ref-3[3] 1959 erschien die 33. Auflage des Missale.cite-ref-4[4]
Die letzte Ausgabe des Missale Romanum vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils war die von Papst Johannes XXIII. herausgegebene Editio typica von 1962. Diese Ausgabe (und keine frĂŒhere) wurde am 7. Juli 2007 von Papst Benedikt XVI. in seinem Motu proprio Summorum pontificum zum Gebrauch in genau definiertem Rahmen als auĂerordentliche Form des römischen Ritus wieder zugelassen. Die vierte Sektion der Glaubenskongregation erteilte bis 2021 auch Indulte fĂŒr den Gebrauch noch frĂŒherer Ausgaben der liturgischen BĂŒcher. Seit dem Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus (Juli 2021) kann nicht mehr von einer âauĂerordentlichen Formâ gesprochen werden. Die Feier der heiligen Messe nach dem Missale Romanum von 1962 kann seitdem nur in AusnahmefĂ€llen vom zustĂ€ndigen Ortsbischof genehmigt werden.
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Hauptartikel
:
Geschichte der tridentinischen Messe
Das gegenwÀrtige Missale Romanum
Das Zweite Vatikanische Konzil beschloss eine Liturgiereform, die zu einem erneuerten Missale Romanum (Erstausgabe 1970) fĂŒhrte; es wurde durch Papst Paul VI. mit der Apostolischen Konstitution Missale Romanum am 3. April 1969 promulgiert und wird daher auch âMissale Pauls VI.â genannt. Es liegt in lateinischer Sprache vor und bildet die Grundlage fĂŒr die muttersprachlichen Bearbeitungen. Die Bestimmungen der Konstitution Missale Romanum traten am 30. November 1969, dem 1. Sonntag im Advent, in Kraft, die neue lateinische Editio typica erschien am 26. MĂ€rz 1970.
VorlĂ€ufer fĂŒr die deutsche Fassung war eine 1965 erschienene Vorausausgabe (â1965er-Ritusâ), der von 1971 bis 1973 âStudientexteâ folgten. 1975 erschien das endgĂŒltige deutsche âMeĂbuchâ.
Das Missale von 1970 bietet deutlich mehr Texte zur Auswahl als die frĂŒheren Ausgaben, so etwa 90 PrĂ€fationen (statt 11 im Missale von 1570, zu denen im 20. Jahrhundert weitere fĂŒnf hinzugefĂŒgt worden waren) und vier eucharistische Hochgebete. Die neuen Texte sind nur zum kleineren Teil Neuschöpfungen, sondern es wurden in groĂem Umfang zum Teil sehr alte Texte wiederaufgenommen. Neu ist, dass die Feier der Gemeindemesse die Grundform der heiligen Messe darstellt, die die stille Messe oder Lesemesse ablöste, die spĂ€testens seit dem Beginn der Neuzeit die Grundform darstellte. Das vorher vorherrschende Leitbild einer âKlerusliturgieâ, das ideale VerhĂ€ltnisse, einen Chor und eine Vielzahl liturgischer Rollen vorausgesetzt hatte und ohne mitfeiernde Gemeinde auskam, war vielfach nicht mehr praktiziert worden.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]
Dem Missale von 1970 wurde die fĂŒr Feier und VerstĂ€ndnis der Messfeier wichtige Institutio Generalis Missalis Romani (IGMRcite-ref-7[7]) vorangestellt (3. Ausgabe 2002). Ihre deutsche Fassung heiĂt Allgemeine EinfĂŒhrung in das Römische Messbuch (AEMcite-ref-8[8]), kĂŒnftig Grundordnung des Römischen Messbuches (GORM)cite-ref-9[9]. AuĂerdem findet man darin die Normae universales de anno liturgico et de calendario, verdeutscht unter dem Titel Grundordnung des Kirchenjahres und des römischen Generalkalenders. Die Institutio Generalis Missalis Romanae ist kein rubrizistischer Text, sondern eine theologische MesserklĂ€rung, die als âHandbuch der Theologie der Eucharistieâ angesehen werden kann. Nach EinschĂ€tzung des Liturgiewissenschaftlers Angelus HĂ€uĂling OSB ist damit das Missale kein reines âKlerusbuchâ mehr, sondern das wichtigste Gebetbuch aller katholischen Christen.cite-ref-10[10]
Der Aufbau des Missale ist Ă€hnlich wie der der VorgĂ€nger: In der Mitte des Buches stehen weiterhin der Ordo missae, die Texte des Gesamtablaufs der heiligen Messe mit den Rubriken und den Texten des Ordinariums sowie die wichtigsten PrĂ€fationen. Voraufgehen die Propriumstexte der Zeiten im Kirchenjahr (Proprium de tempore) in zeitlicher Reihenfolge, beginnend mit dem Advent und endend mit den Sonntagen im Jahreskreis. Auf den Ordo missae folgen die Propriumstexte fĂŒr die Heiligenfeste (Proprium de Sanctis), die allgemeinen Heiligenmessen (Commune-Messen) und Messformulare zu bestimmten AnlĂ€ssen und Gelegenheiten (traditionell Votivmessen genannt).
Die deutschsprachige Ausgabe (1975) des erneuerten Missale Romanum fĂŒhrt den Titel Die Feier der heiligen Messe und besteht (wie sein lateinisches Vorbild) aus zwei Teilen:
1. dem Buch fĂŒr die Hand des zelebrierenden Priesters (Sacerdos celebrans): MeĂbuch fĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes; es enthĂ€lt viele Texte auch in lateinischer Sprache und lehnt sich im Aufbau an die Gliederung der lateinischen Editio typica an;
2. dem Buch mit den biblischen Texten fĂŒr den Wortgottesdienst der Messfeier: MeĂlektionar fĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes.
Eine dritte Editio typica des erneuerten lateinischen Missale Romanum erschien 2002 unter Papst Johannes Paul II. Einer gemÀà der Ăbersetzerinstruktion Liturgiam authenticam des Heiligen Stuhls von 2001 engstens an den lateinischen Wortlaut angelehnten Revision des deutschsprachigen Messbuchs verweigerten die zustĂ€ndigen Bischofskonferenzen Deutschlands, Ăsterreichs und der Schweiz im Sommer 2013 die Approbation. Dies folgte aus dem Umstand, dass der ebenfalls auf der Grundlage von Liturgiam authenticam erstellte Ritualefaszikel Die kirchliche BegrĂ€bnisfeier in den BistĂŒmern des deutschen Sprachgebietes. Zweite authentische Ausgabe (2009) nach Scheitern in der gottesdienstlichen RealitĂ€t durch ein um den Untertitel Manuale erweitertes Buch gleichen Titels ersetzt werden musste, das 2012 im Auftrag allein der genannten Bischofskonferenzen publiziert wurde.
Was die Bebilderung der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil herausgegebenen MessbĂŒcher betrifft, so sind die lateinischen und volkssprachlichen Ausgaben vor 2002 nur wenig illustriert, meist mit schwarz-weiĂen Bildern, oder ganz auf den Text konzentriert wie in Deutschland und Frankreich. Seit 2005 sind viele Ausgaben der Editio typica tertia farbig illustriert, besonders im englischen Sprachraum.cite-ref-11[11]
VolksmessbĂŒcher
Im deutschen Sprachraum erschienen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zweisprachige âVolksmessbĂŒcherâ im Rahmen der liturgischen Bewegung. Diese VolksmessbĂŒcher sollten den Laien eine bewusstere Mitfeier der heiligen Messe und des Kirchenjahres ermöglichen.
Am verbreitetsten war der âSchottâ, erstmals 1884 von dem Benediktiner P. Anselm Schott herausgegeben unter dem Titel âDas MeĂbuch der heiligen Kircheâ. Der âSchottâ wurde dann in zahlreichen Auflagencite-ref-12[12] als âDas vollstĂ€ndige Römische MeĂbuch, lateinisch und deutsch, mit allgemeinen und besonderen EinfĂŒhrungen im AnschluĂ an das MeĂbuch von Anselm Schott O.S.B. herausgegeben von Mönchen der Erzabtei Beuronâ als Volltext oder in Teilausgaben. Zwischen 1927 und 1972 erschien ferner das Lateinisch-Deutsches VolksmeĂbuch â das vollstĂ€ndige römische Messbuch fĂŒr alle Tage des Jahres, mit ErklĂ€rungen und einem Choralanhang von P. Urbanus Bomm.
In dieser Tradition sieht sich das Volksmissale. Das vollstĂ€ndige römische Messbuch nach der Ordnung von 1962 Lateinisch/Deutsch. Priesterbruderschaft St. Petrus e. V. - Verein St. Petrus, Opfenbach 2017 von Martin Ramm FSSP, das nicht mehr dem âeinzigen Ausdruck der lex orandi des Römischen Ritusâ entspricht und eine Form der Liturgie bietet, die nur unter eng gefassten Auflagen mit Erlaubnis des Ortsbischofs und nicht mehr in Pfarrkirchen gefeiert werden darf.cite-ref-13[13]
Auch das 1928 erstmals erschienene Heft Kirchengebet bot die Texte des Ordinariums der heiligen Messe. Diese Veröffentlichungen förderten die von Papst Pius X. angeregte tĂ€tige Teilnahme (Participatio actuosa) von Laien an der Liturgie und begĂŒnstigten die verschiedenen Formen der Gemeinschaftsmesse, die ab den 1920er-Jahren entstanden.
Heutige Ausgaben
âą Missale Romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Pauli PP. VI promulgatum. Editio typica. Typis Polyglottis Vaticanis 1970; Editio typica altera 1975; Editio typica tertia (Ioannis Pauli PP. II cura recognitum) 2002.
âą Missale Romanum ex decreto ⊠promulgatum. Lectionarium. 3 vol. Typis Polyglottis Vaticanis 1970â1972. 2. Ausgabe: 1981.
âą Die Feier der heiligen Messe. MeĂbuch fĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe fĂŒr den liturgischen Gebrauch. Teil I: Die Sonn- und Feiertage deutsch und lateinisch. Die Karwoche deutsch. Teil II: Das MeĂbuch deutsch fĂŒr alle Tage des Jahres auĂer der Karwoche. Einsiedeln u. a. 1975; 2. Aufl. 1988.
âą Die Feier der heiligen Messe. MeĂbuch. FĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe fĂŒr den liturgischen Gebrauch. Karwoche und Osteroktav. ErgĂ€nzt um die Feier der Taufe und der Firmung sowie die Weihe der Ăle. Solothurn u. a. 1996.
âą Die Feier der heiligen Messe. MeĂlektionar fĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe fĂŒr den liturgischen Gebrauch. 8 Bde. Einsiedeln u. a. 1982â1986.
Sonderformen
Papst Benedikt XVI. veröffentlichte am 7. Juli 2007 das Motu proprio Summorum Pontificum, in dem er unter anderem die Messfeier nach dem Missale Romanum von 1962 (ohne die Neufassung der Messordnung von 1965) als Sonderform (lateinisch: forma extraordinaria) der Messfeier im römischen Ritus in gewissen Grenzen zulĂ€sst; es trat am 14. September 2007, dem Fest Kreuzerhöhung, in Kraft und ersetzt die unter Papst Johannes Paul II. getroffenen Regelungen von âQuattuor abhinc annosâ und âEcclesia Deiâ, die zuvor die Zelebration nach dem Missale Romanum von 1962 regelten.
In einem Begleitbrief stellte Benedikt XVI. klar, âdass selbstverstĂ€ndlich das von Papst Paul VI. veröffentlichte und dann in zwei weiteren Auflagen von Johannes Paul II. erneut herausgegebene Missale die ordentliche Form â die forma ordinaria â der Liturgie der heiligen Eucharistie ist und bleibt.â Die letzte dem Konzil vorausgehende Fassung des Missale Romanum, die unter der AutoritĂ€t von Papst Johannes XXIII. 1962 promulgiert wurde (1962er-Ritus), könne demgegenĂŒber als forma extraordinaria (âSonderformâ) der liturgischen Feier Verwendung finden. Weiterhin stellte er fest, dass es nicht angebracht sei, von diesen Fassungen des Römischen Messbuches als von âzwei Ritenâ zu sprechen. Es handle sich vielmehr um einen zweifachen Usus (âBrauch, Gewohnheitâ) ein und desselben Ritus.
FĂŒr die Anglikaner in voller Gemeinschaft mit der Kirche Roms wurde nach einigen Provisorien 2015 ein eigenes Missale in mutterkirchlicher Tradition (Book of Common Prayer) publiziert: âDivine Worship: The Missalâ. Sein Gebrauch ist im âAnglican Useâ (alias: âOrdinariate Useâ) seit 2016 obligatorisch.
Missale Ambrosianum und Missale Hispano-Mozarabicum
Die Kirchen von Toledo und Mailand können zwar auch dem römischen Ritus folgen und das Missale Romanum (in der lateinischen Ursprungs- und in der angepassten landessprachlichen Version) benutzen; sie besitzen daneben einen auf SpĂ€tantike und FrĂŒhmittelalter zurĂŒckgehenden Eigenritus.
Die Kirche von Toledo pflegt den mozarabischen, die von Mailand den ambrosianischen Ritus, auch altspanische bzw. MailĂ€nder Liturgie genannt. Beide wurden im Laufe der Entwicklung, freilich in unterschiedlicher StĂ€rke, vom Missale Romanum nachhaltig beeinflusst, im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils jedoch in einer eigenen Liturgiereform grĂŒndlich erneuert.
Heutige Ausgaben
âą Missale Hispano-Mozarabicum (hg. von der spanischen Bischofskonferenz und dem Erzbischof von Toledo). Barcelona 1991.
âą Messale Ambrosiano (hg. vom Erzbischof von Mailand, Giovanni Kardinal Colombo). Mailand 1976 (zwei Bdd.).
Historische Missalia
| Abbildung | Bezeichnung | Entstehungszeit | Entstehungsort | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| | Stowe Missal | um 750 | Irland | einziges erhaltenes keltisches Missale |
| | Missale von Silos | 1151 | Nåjera , Spanien | Àltestes erhaltenes christliches Buch aus Papier |
| | Missale Scarense | um 1150/1160 | England oder Nordwestfrankreich | Àlteste in Schweden erhaltene Handschrift |
| | Stammheimer Missale | um 1170/1180 | wahrscheinlich Hildesheim | |
| | Semeca Missale | 1241â1245 Historische Missalia | Halberstadt | Missale des Johannes Semeca (Zemeke), Domschatz Halberstadt |
| | Winterbach-Missale | um 1320/30 | Köln, St. Klara | Darmstadt, Hessische Landes- und Hochschulbibliothek, Hs. 874 |
| | Missale aus St. Severin | um 1325â1350, erweitert um 1485 und im frĂŒhen 16. Jh. | Köln, St. Severin | Darmstadt, Hessische Landes- und Hochschulbibliothek, Hs. 876 |
| | Missale von FĂŒrst Novak | 1368 | | kirchenslawisch in glagolitischer Schrift |
| | Missale glagoliticum Hervoiae ducis Spalatensis | 1404 | Split | kirchenslawisch in glagolitischer Schrift |
| | Böhmisches Missale | 1410 | Prag ? | |
| | Lausitzer Missale | 1435 | Zittau ? | |
| | Missale des Priesters Mavra | 1460 | Vrbnik , Dalmatien | kirchenslawisch in glagolitischer Schrift |
| | Missale secundum consuetudinem Romane Curie | 1474 | Mailand | Missale fĂŒr den römischen Ritus, Buchdruck |
| | Missale speciale (frĂŒher Constantiense) | nach 1473 | Basel | |
| | Missale Parisiense | 1481 | Paris | fĂŒr die Erzdiözese Paris , weitere Drucke 1487, 1504, 1539, 1555, 1585, 1602 |
| | Missale Romanum Glagolitice | 1483 | Venedig ? oder Kosinj? | kirchenslawisch in glagolitischer Schrift |
| | Missale Slesvicense | 1486 | Schleswig | fĂŒr DĂ€nemark |
| | Missale Aboense | 1488 | LĂŒbeck | fĂŒr Finnland |
| | Lausitzer Missale | 1500 | Zittau? | |
| | Missale secundum ritum ecclesie Bremense | 1511 | Bremen | fĂŒr Erzdiözese Bremen |
| | Missale Coloniense | 1520 | Skriptorium der Kölner Kreuzherren | Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, FrĂŒhdruck 217 |
Siehe auch
Literatur
âą Die Feier der Heiligen Messe. Messlektionar. FĂŒr die BistĂŒmer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe fĂŒr den liturgischen Gebrauch. Herder, Freiburg et al. 1981 etc.
âą Maurizio Barba: Il Messalo Romano. Tradizione e progresso nella terza edizione tipica. Libreria Editrice Vaticana, CittĂ del Vaticano 2004.
âą Maurizio Barba: Institutio Generalis Missalis Romani. Textus â Synopsis â Variationes. Libreria Editrice Vaticana, CittĂ del Vaticano 2006.
âą Ralf van BĂŒhren: Die Bildausstattung des âMissale Romanumâ nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962â1965). In: Liturgische BĂŒcher in der Kulturgeschichte Europas (= Bibliothek und Wissenschaft, 51), hrsg. von Hanns Peter Neuheuser. Harrassowitz, Wiesbaden 2018, S. 173â181.
âą Dominik Daschner: Die gedruckten MessbĂŒcher SĂŒddeutschlands bis zur Ăbernahme des Missale Romanum Pius V. (1570). Lang, Frankfurt a. M. 1995. ISBN 978-3-631-47990-2.
âą Sebastian Gögler: MeĂbuch und MeĂbĂŒcher?. In: Benediktinische Monatschrift XXI. Jg. (1939), S. 139â145.
âą Emil Joseph Lengeling: Missale Monasteriense 1300-1900: Katalog, Texte und vergleichende Studien. Aschendorff, MĂŒnster 1995. ISBN 978-3-402-04055-3.
âą Hermann Reifenberg: Messe und Missalien im Bistum Mainz seit dem Zeitalter der Gotik, unter besonderer BerĂŒcksichtigung von WĂŒrzburg und Bamberg. Aschendorff, MĂŒnster 1960.
âą Manlio Sodi â Alessandro Toniolo: Concordantia et Indices Missalis Romani (Editio typica tertia). Libreria Editrice Vaticana, CittĂ del Vaticano 2002.
âą Manlio Sodi â Alessandro Toniolo: Praenotanda Missalis Romani. Textus â Concordantia â Appendices (Editio typica tertia). Libreria Editrice Vaticana, CittĂ del Vaticano 2002.
âą Anthony Ward â Cuthbert Johnson (edd.): Missalis Romani editio princeps. Mediolani 1474 prelis mandata. Reimpressio vaticani exemplaris introductione aliisque elementis aucta. Ed. Liturgiche, Roma 1996.
âą Bardo WeiĂ: ThemenschlĂŒssel zum Messbuch. Eine pastoralliturgische Arbeitshilfe. Benziger, Einsiedeln/ZĂŒrich 1976, 2. Aufl. 1979 - Herder, Freiburg im Breisgau/Wien 1976, 2. Aufl. 1979, ISBN 978-3-545-50506-3.
Weblinks
Commons
: Messbuch
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Messbuch
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą New Advent Catholic Encyclopedia: Artikel Missal
âą Missale Romanum ex decreto Sacratissimi Concilii Tridentini Restitutum; 1960 (pdf; 78,98 MB)
âą ex decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, Ioannis Pauli PP. II cura recognitum (Memento vom 26. August 2010 im Internet Archive); (3. Ausgabe, 2002)
âą Papst Paul VI.: Apostolische Konstitution âMissale Romanumâ, 1975
âą Allgemeine EinfĂŒhrung in das Römische Messbuch (AEM)
âą Institutio Generalis Missalis Romani; 3. Ausgabe 2002 (lateinisch)
âą Grundordnung des Römischen Messbuchs. Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch (3. Auflage); (bis zum Erscheinen der 3. Auflage fĂŒr den deutschen Sprachraum noch ohne verbindlichen Charakter): Die Institutio Generalis Missalis Romani (3. Ausgabe 2002) in deutsche Ăbersetzung mit neuem Titel (PDF-Datei; 532 kB)
âą Schott-Messbuch; herausgegeben von den Benediktinern der Erzabtei Beuron
âą Stephan U. Neumann: NeuĂŒbersetzung des Messbuchs vorerst gescheitert. Christ in der Gegenwart, 25. Juni 2017
Einzelnachweise
cite-note-11. â Angelus A. HĂ€uĂling OSB: Art. Missale in: Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 7, Sp. 283â286, hier Sp. 283 f.
cite-note-22. â Josef Andreas Jungmann S.J.: Missarum Sollemnia. Eine genetische ErklĂ€rung der römischen Messe. Bd. 1, 5. verbesserte Aufl., Herder Verlag Wien-Freiburg-Basel 1962, S. 132f f.
cite-note-33. â liturgie.de: Tridentinische Liturgie. Hintergrundinformationen.
cite-note-44. â Missale Romanum ex decreto SS. Concilii Tridentini restitutum summorum pontificum cura recognitum, Editio 33, post typicam, Pustet Verlag, Ratisbonae (Regensburg), 1959 (55, 832, 228, 36, 37, 4 Seiten).
cite-note-55. â Angelus A. HĂ€uĂling: Missale. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 284 f.
cite-note-66. â Josef Andreas Jungmann: Missarum Sollemnia. Eine genetische ErklĂ€rung der römischen Messe. Band I, 5. Aufl., Herder, Wien-Freiburg-Basel 1962, S. 301.
cite-note-77. â IGMR
cite-note-88. â AEM
cite-note-99. â GORM
cite-note-1010. â Angelus HĂ€uĂling: Missale. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 285.
cite-note-1111. â Ralf van BĂŒhren, Die Bildausstattung des âMissale Romanumâ nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, 2018.
cite-note-1212. â Zum Beispiel: Anselm Schott: Das MeĂbuch der heiligen Kirche (lateinisch und deutsch mit liturgischen ErklĂ€rungen). Hrsg. von Pius Bihlmeyer, 33. Aufl. Freiburg im Breisgau 1928.
cite-note-1313. â Papst schrĂ€nkt Feier des alten Messritus ein | DOMRADIO.DE. Abgerufen am 17. Juli 2021.